Die Cradle to Cradle-Zertifizierung | Magazin

30.07.2013, 12:54

Die Cradle to Cradle-Zertifizierung

Der Begriff Cradle to Cradle oder C2C (deutsch: von der Wiege bis zur Wiege) wurde durch den Chemiker Dr. Michael Braungart in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough geprägt. Es handelt sich um das Konzept einer zyklischen Ressourcennutzung, dem fünf Kriterien für eine Zertifizierung zu Grunde gelegt werden: soziale Verantwortung, Wiederverwertung des Materials, Materialkreislaufführung, erneuerbare Energien und sparsamer Umgang mit Wasser.

C2C folgt damit der Vision von geschlossenen Materialzyklen für Produkte, bei dem die Entstehung von Müll zukünftig gänzlich vermeidbar sein sollte.

Das Konzept

Das Cradle to Cradle-Konzept sieht vor, dass Unternehmen ökoeffiziente Produkte entwickeln die Teil eines nachhaltigen Kreislaufsystems sind. Alle verwendeten Materialien der Produkte sollen demzufolge entweder recycelbar oder kompostierbar sein. Inspiriert wurde das Konzept von den Verwertungskreisläufen der Natur, in der keine Verschwendung durch unverwertbare „Abfälle“ entsteht, sondern alle Produktkomponenten als „Nahrung“ für Neues dienen und im besten Fall einem endlosen Verwertungskreislauf zugeführt werden können. Mit dem Prinzip „Qualität vor Quantität“ werden die Materialien und ihre Umwelteinflüsse so ausgelegt, dass sie für die Erhaltung und Regeneration ihrer biologischen und technischen Quellen förderlich sind. Soziale Faktoren und Ressourcenschonung kommen bei Cradle to Cradle-Kreislauf ebenfalls zum Tragen.

Zertifizierung und Re-Zertifizierung

Mit dem Cradle to Cradle-Zertifikat werden Produkte ausgezeichnet, die nachweislich umweltsichere, gesunde und kreislauffähige Materialien verwenden. Sie erhalten ein einjähriges Zertifikat, das im Anschluss durch eine Re-Zertifizierung bestätigt werden muss. Dabei gibt es die Möglichkeit durch Verbesserungen eine höhere Zertifizierungsstufe zu erreichen. Diese gliedern sich in die Kategorien Basic, Silber, Gold und Platin.

Zertifizierung mit Weitblick?

Der Zertifizierung liegt der Produktions- und Materialkreislauf, nicht aber die Nutzungsphase eines Produktes zugrunde, was beispielsweise bei Autos oder Flugzeugen auf Schwierigkeiten stößt, da gerade ihr Gebrauch den größten Einfluss auf die Ökobilanz hat. Außerdem werden bei dem Konzept Fragen nach dem Energieaufwand von Recyclingprozessen oder der Entwicklung alternativer Materialien durch den alleinigen Fokus auf den Recyclingaspekt vernachlässigt.  Es wird auch kritisiert, dass die Zertifizierungen lediglich nach eigenen Analysen von Dr. Braungart stattfinden und damit nicht gängigen ISO Normen entsprechen, die etwa eine kritische Nachprüfung durch einen unabhängigen Gutachter vorschreiben.

Als Vision zeigt C2C jedoch einen Weg auf, eine Möglichkeit aus dem Kreislauf der permanenten Müllerzeugung auszubrechen. Ob sich die drängenden Fragen unserer Welt damit zur Gänze beantworten lassen bleibt offen.

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